"Urkatastrophe" an den KSDill - Geschichtstag in der BG12 zum Ausbruch des 1. Weltkriegs
Wie fühlt es sich an, politische Entscheidungen in einer historischen Ausnahmesituation treffen zu müssen?
Dieser Frage gingen die Schülerinnen und Schüler der 12. Klasse im Fach Geschichte bei einem Projekttag am 04.02.2026 nach.
In einem aufwendigen Planspiel simulierten sie die Julikrise – jene dramatische Phase, die einen Monat nach dem Attentat auf Kronprinz Franz-Ferdinand von Österreich in Sarajewo am 28.06.1914 zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs führte.
Die Lernenden schlüpften dabei in die Rollen der europäischen Großmächte Großbritannien, Deutsches Reich, Frankreich, Russland, Österreich-Ungarn sowie des Osmanischen Reiches. Jede Gruppe vertrat die politischen Interessen, Bündnisse und Handlungsspielräume ihres jeweiligen Staates. Eine besondere Herausforderung: Die Kommunikation zwischen den Staaten durfte ausschließlich über schriftliche Briefe erfolgen. Direkte Absprachen waren nicht erlaubt, was Entscheidungsprozesse verlangsamte, Missverständnisse begünstigte und die historische Realität diplomatischer Kommunikation unmittelbar erfahrbar machte.
Ergänzt wurde das Planspiel durch eine eigenständige Pressegruppe. Diese hatte die Aufgabe, die Ereignisse zu dokumentieren, politische Entwicklungen einzuordnen und über den Verlauf der Krise zu berichten. Dadurch entstand eine zusätzliche Reflexionsebene, die nicht nur den Überblick über das komplexe Geschehen sicherte, sondern auch die Rolle der Medien in politischen Krisen thematisierte.
Die Schülerinnen und Schüler setzten sich intensiv mit historischen Quellen, Interessenlagen und Entscheidungszwängen auseinander. Gleichzeitig förderte das Spiel zentrale Kompetenzen wie Perspektivwechsel, Teamarbeit, präzise Kommunikation und kritisches Denken. Besonders eindrücklich wurde deutlich, wie schnell politische Eskalationen entstehen können – oft nicht durch einen einzelnen Entschluss, sondern durch eine Kette von Entscheidungen, Fehleinschätzungen und Kommunikationsproblemen.
Der Projekttag zeigte eindrucksvoll, wie lebendig und relevant Geschichtsunterricht sein kann, wenn historische Prozesse nicht nur analysiert, sondern aktiv erlebt werden.
Text und Fotos: Christian Kopp




















